Agrar-Investitionen in Afrika

Zahlreiche Studierende der Universität Hohenheim sowie externe Gäste folgten dieser Tage der Einladung der Jungen DLG/Team Hohenheim zur diesjährigen Vortragsveranstaltung in die Aula des Schlosses in Hohenheim. Unter der Leitfrage: „Staat oder Privat? Nachhaltige Investitionen in die afrikanische Agrarentwicklung“ referierten vier Fachleute aus unterschiedlichen Perspektiven zu den möglichen Entwicklungsansätzen der Agrarentwicklung des afrikanischen Kontinents.

Bereits in der Begrüßung von Florian Männer, dem Leiter des Jungen DLG/Teams Hohenheim, wurde deutlich, dass Agrarentwicklung ein sehr breit aufgestelltes Feld ist. Auch das Grußwort des Dekans der Fakultät Agrarwissenschaften, Prof. Dr. Ralf Vögele, stellte die Bedeutung der Agrarentwicklung in den Fokus, nur durch eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft seien die Nachhaltigkeitsziele der UN erreichbar.

Der erste Vortrag von Prof. Dr. Regina Birner von der Universität Hohenheim beschäftigte sich aus Perspektive der Wissenschaft mit der Frage, ob Investitionen in Kleinbauern oder in Großbetriebe nachhaltiger sind. Birner referierte zuerst über die Gegebenheiten in der afrikanischen Landwirtschaft und stellte die hohe Handarbeitsquote von über 70 Prozent in den Fokus ihrer Betrachtungen.

Weiterhin stellte sie die PRAI-Prinzipien zur nachhaltigen Agrarinvestition vor, um darauffolgend Beispiele aus der Forschung aufzuzeigen. Viele große Agrarinvestitionen sind an den schwierigen Bedingungen und an unerwarteten Risiken gescheitert, hier waren Investitionen in kleinbäuerliche Strukturen wie beispielsweise die Gründung eines Lohnunternehmens deutlich vielversprechender.

Ein großes Hemmnis in der Agrarentwicklung ist jedoch die fehlende Investitionsbereitschaft der Regierungen vor Ort, welche sich das Ziel gesetzt haben, 10 Prozent des Haushaltsvolumens in die landwirtschaftliche Entwicklung, allen voran in Bildung und Beratung zu investieren. Leider liegen die meisten Länder des afrikanischen Kontinents heute noch deutlich unter dieser Quote.

Der folgende Referent, Arne Schuffenhauer von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), brachte einige Praxisbeispiele aus der Entwicklungszusammenarbeit vor Ort mit. Zum Eingang seines Vortrages machte er durch viele Vergleiche deutlich, dass es nicht „ein“ Afrika in den Strukturen gibt, sondern dass große Unterschiede zwischen den Regionen bestehen.

Neben der Arbeitserledigung, welche zwischen Pflügen in Handarbeit und Führung professioneller Palmölplantagen reicht, sind die strukturellen und geografischen Unterschiede sehr groß. Ein elementarer Faktor ist die Versorgung mit Elektrizität, von welcher ein großes Potenzial zur Entwicklung ausgeht.

Die GIZ setzt in ihrer Arbeit vor Ort neben der Zusammenarbeit mit den Regierungen zentral auf die Zusammenarbeit mit privaten Investoren, um die Projekte nachhaltig umzusetzen. Hierbei ist als exemplarisches Beispiel ein nachhaltigerer Kakaoanbau in Zusammenarbeit mit GEPA zu nennen.

Nach einer Kaffeepause war Csaba Lejko von der Firma John Deere der nächste Referent. Als Vertreter der Privatwirtschaft berichtete er von den John Deere-Prinzipien zur Agrarentwicklung in Afrika, welche er mit dem Schlagwort SMART überschrieb.

SMART steht in diesem Fall für die Eigenschaften der Zusammenarbeit. Angefangen von der Ausarbeitung von Lösungen für Kleinlandwirte (Solutions for small farmers), berichtete er über die Entwicklung spezieller Geräte wie No-Till-Sämaschinen (Mechanisation). Einen zentralen Punkt stellt der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten der Investitionen dar (Access to financing), mit welchen Investitionen in zuverlässige, lang haltbare und mit Ersatzteilen ausgestattete Maschinen getätigt werden können (Reliabiliy).

Der letzte, aber vielleicht zentrale Punkt ist die Bereitstellung von Technologie und Know-how, also neben dem Verkauf der Maschinen auch ein Angebot zur Schulung der Bediener (Technology and education). Lejko unterstrich jedoch, dass erfolgreiche Investitionen immer einen sicheren Rechtsrahmen benötigen und die Regierungen vor Ort in der Pflicht seien, diesen sicheren Rahmen zu schaffen.

Als letzter Redner durfte die Junge DLG/Team Hohenheim Denis Kabiito, einen Landwirt aus Uganda und gleichzeitig Vorsitzender der „Young Farmers Federation of Uganda“ (UNYFA),  begrüßen. Er konnte aus seiner Sicht über die Agrarentwicklung in Afrika als direkt Betroffener berichten und stellte hierzu zuerst nochmals die Situation vor Ort mit allen Schwierigkeiten wie der Urbanisierung und dem demografischen Wandel dar.

Trotzdem sind aktuell noch rund 66 Prozent aller Arbeiter in Uganda in der Landwirtschaft beschäftigt, was die große Bedeutung des Sektors für das gesamte Land unterstreicht. Denis Kabiito mahnte an, nicht zu vergessen, dass die größten Investoren in der Landwirtschaft in Afrika immer noch die Landwirte selbst sind. Er plädiert daher für eine regionale Entwicklung der Landwirte, Gründung von Absatzgenossenschaften sowie Investition in die Bildung der Landwirte. Interne Investitionen seien hierzu der geeignetste Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung.

Im Anschluss an die vier Vorträge der Referenten moderierte Nicole Bolomey von der Andreas-Hermes-Akademie die Podiumsdiskussion der Teilnehmer, in welcher nochmals einige interessante Aspekte wie die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen oder die Wettbewerbssituation vor Ort aufgegriffen wurden.

Autor: Nils Christian, Mitglied Junge DLG/Team Hohenheim