Wie kann ein Generationswechsel gelingen?

Das Thema der Hofübergabe in der Landwirtschaft ist hochaktuell und betrifft viele unserer Agrarstudenten mit ihren Familien. Das hat nicht nur die erfreulich hohe Teilnehmerzahl des vergangenen Kamingesprächs der jungen DLG/Team Nürtingen gezeigt, sondern ebenso die Zahl der Meldungen bei der Frage, wie viele aus der Gruppe aktuell oder in Zukunft von einer Hofübergabe betroffen sind. Demnach waren es über Dreiviertel der 80 Anwesenden, die sich aus Studenten und Nichtstudenten aus Nürtingen, Hohenheim und Weihenstephan-Triesdorf zusammengesetzt haben.

Diese Frage kam von Angelika Sigel des evangelischen Bauernwerks Württemberg, die eingeladen wurde, um verschiedene Aspekte dieses oft ungeklärten Themas in der Landwirtschaft aufzuzeigen.

In ihrer Begrüßung und Einführung in das Thema gibt zunächst unsere junge DLG-Vorsitzende Maria Wehrle den Denkanstoß, die menschlichen und sozialen Aspekte bei einer Hofübergabe zu beachten. Unsere Referentin greift diese Aussage auf und betont gleich zu Beginn,  dass die meisten Konflikte durch die Gegenüberstellung von Betrieb und Familienleben entstehen, denn eine Hofübergabe ist weit mehr als nur ein Kaufvertrag.

Es geht um Existenzen und Lebenswerke mit mehreren Beteiligten, die individuelle Vorstellungen haben, aber trotzdem ein gemeinsames Ziel verfolgen: Die zukunftsorientierte und möglichst erfolgreiche Weiterführung des Betriebes, der sich oft schon seit Generationen in Familienbesitz befindet.

Getreu dem Motto „Mit warmen Händen schenkt sich‘s besser“ weist Sigel darauf hin, dass eine geklärte Hofnachfolge nicht früh genug erfolgen kann. In vielen Familien führt das Unwissen ebenso zu einer hohen Belastung des Familienlebens, wie auch zu einer Blockade in der Bewirtschaftung des Hofes.

Sie nennt uns anschließend die Beteiligten und führt deren Interessen und Eigenschaften auf. Zum einen gibt es die Übergeber-Generation, die ihr ganzes Leben hart für den Betrieb gearbeitet hat und womöglich auch nach der Übergabe dort bleiben will. Sie muss bereit sein, die Verantwortung abzugeben und loszulassen und sich außerdem Gedanken über ihre Alterssicherung machen. Sie sind auch diejenigen, die bei weichenden Erben den Familienfrieden wahren und eine möglichst gerechte Lösung finden sollten.

Dann gibt es die Übernehmer-Generation, die Studierten und Ausgebildeten, die sich zunächst Klarheit über ihre eigenen Vorstellungen als Hofnachfolge verschaffen müssen. Sie möchten sich selbst verwirklichen, frei handeln können und ebenso von ihren Eltern als Chef anerkannt werden.

Geschwister, die in diesem Fall die weichenden Erben sind, möchten ihr Heimatgefühl nicht verlieren und freuen sich über einen „Dank fürs Weichen“. Sie können allerdings zur Herausforderung werden, wenn sie Geld verlangen und ausbezahlt werden möchten.

Sigel hätte noch lange über ihre vorgesehene Zeit berichten können, aber kann uns natürlich kein allgemeines Konzept einer Hofübergabe beibringen, da in jeder Familie und auf jedem Betrieb andere Bedingungen gegeben sind. Allerdings meint sie, dass der Schlüssel in der Kommunikation und offenen Gespräche mit allen Beteiligten liegt, sodass ein Weg gefunden werden kann, mit dem alle zufrieden sind.  
Außerdem rät sie, Hilfe von außen anzunehmen und empfiehlt Seminare oder fachliche Beratung. Zum Beispiel werden über das evangelische Bauernwerk Württemberg Familiengespräche mit Unterstützung von Dritten angeboten.
Nach einer abschließenden Fragerunde beendet Maria Wehrle die Veranstaltung und lädt alle ein, bei Getränken und Brezeln den Abend ausklingen zu lassen.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für ihr Interesse und bei unserer Referentin für einen spannenden und informativen Vortrag.

Autorin: Henrike Betz, Junge DLG/Team Nürtingen