Torfabbau und vieles mehr

Die Junge DLG/Team Nürtingen verband den Besuch der EuroTier mit einer anschließenden, mehrtägigen Exkursion durch Niedersachsen. Hier ihr Bericht:

Nach einer störungsfreien Fahrt kamen wir gegen 8:30 Uhr in Hannover an. Die Studenten hatten die Möglichkeit, ihr Tagesprogramm auf der EuroTier individuell zu gestalten und sich im Rahmen der eigenen Interessen zu informieren. Als Treffpunkt beliebt waren die Messestände der HfWU und der DLG, wo wir Freunde und Bekannte von anderen Hochschulen trafen und den Vorträgen folgten.

Nach einer teilweise kurzen Nacht ging es am zweiten Tag der Exkursion weiter Richtung Osnabrück, zum Stammwerk der Firma Amazone in Hasbergen. Um einen groben Überblick über das Unternehmen zu erhalten, wurde uns eine informative Einführung gegeben. Nachdem alle Fragen beantwortet waren, ging es in die Produktion. Hier konnten wir Eindrücke aus der Spritzen- sowie Düngerstreuermontage sammeln. Von der Vormontage (Schlosserei, Schmiede…) über Lackiererei, Montage und Prüfung konnten wir jeden Schritt in der Fertigung besichtigen.

Nach dem lehrreichen Aufenthalt in Hasbergen ging es weiter Richtung Norden auf den Rischenhof bei Hagen im Bremischen. Wir wurden von Claus Luerßen, dessen Familie den Betrieb führt, empfangen. Einige wichtige Eckdaten sind im Folgenden aufgeführt.

  • Der Betrieb bewirtschaftet 380 ha und ist auf Milchviehhaltung spezialisiert.
  • Die Außenwirtschaft ist bis auf wenige Ausnahmen komplett ausgelagert.
  • Es werden aktuell etwa 810 Kühe sowie 500 Jungrinder gehalten.
  • Der Betrieb hat insgesamt 16 angestellte Mitarbeiter.
  • Wichtigstes Controllinginstrument des Betriebsleiters ist der IOFC (income over feedcosts).

Nach der Betriebsvorstellung ging es raus auf einen Rundgang. Die Leistungen der Herde waren mit einem durchschnittlichen Tagesgemelk von über 40 kg je Tier sehr beeindruckend. Insbesondere die hohen Trockenmasseaufnahmen der frisch laktierenden Tiere von mindestens 29 kg TM pro Tag hinterließen bei einigen einen bleibenden Eindruck.

Wie Luerßen diese Parameter ermittelt beziehungsweise wie das Controlling des Betriebes insgesamt abläuft, wurde während des Betriebsrundganges deutlich und war für viele eine interessante Erfahrung.

Am dritten Tag ging es nach Vechta zur Firma Gramoflor. Pünktlich um 11:00 Uhr waren wir dort und wurden von Josef Hermann Gramann, dem Geschäftsführer, sowie einem Mitarbeiter empfangen. Die Führung bei Gramoflor bestand ebenfalls aus zwei Teilen. Einer kurzen Präsentation mit den wichtigsten Informationen rund um das Unternehmen und der Problematik rund um das Thema Torfabbau sowie eine Besichtigung eines Abbaugebietes und der Produktionsanlagen.

Während der Ausführungen von Gramann und dessen Kollegen wurde mehr und mehr die Komplexität der Thematik rund um den Abbau des fossilen Rohstoffs klar. Einerseits gibt es aktuell keine nachhaltigen Substitute, die den Eigenschaften des Torfes nahe kommen, andererseits verursacht nicht nur der Abbau des Torfes große Mengen an Emissionen, sondern auch die Landwirtschaft, die in Niedersachsens ausgedehnten Moorgebieten praktiziert wird. Aufgrund zu kleiner Mengen in guter Qualität (und zu hohem Salzgehalt!) ist Kompost kein vielversprechender Torfersatz.

Sehr große Bedeutung kommt der Renaturierung von ehemaligen Abbaugebieten zu. Es ist per Gesetz festgelegt, dass ehemalige Abbaugebiete in Moore rückgeführt werden müssen, jedoch gibt es innerhalb der Branche große Diskrepanzen bezüglich der Methode.

Gramoflor setzt beim Abbau des Torfes auf eine spezielle Methode, das Ober- und Unterfeldverfahren, welches Gramann entwickelt hat. Das Verfahren soll es ermöglichen, ehemalige Abbauflächen schnell und effizient in Moorflächen rückzuführen. Eine Besichtigung einer solchen Fläche bestätigte den Erfolg der Methode. Außerdem unterhält Gramoflor eine eigene Moos- und Moorpflanzenvermehrung.

Der aufwändige Betrieb dieser Vermehrung und das viele Know-how der Firma in diesem Bereich machen deutlich, dass die Renaturierung von Mooren und ein umweltbewusster Umgang mit Ressourcen ein großes Anliegen von Gramann beziehungsweise dessen Unternehmensphilosophie sind. Die Schnittstellen zur Landwirtschaft sind offensichtlich und stellenweise mit Konfliktpotenzial belastet.

Der Konflikt zwischen politischer Zielsetzung, gesellschaftlicher Erwartung und landwirtschaftlicher Produktion statuiert auch beim Thema Torf ein deutliches Exempel. Denn es ist egal, welche Ziele von den unterschiedlichen Interessengruppen ambitioniert sind. Die Bereitschaft zu Kompromissen ist für eine Lösung unerlässlich.

Autor: Dominik Schlothauer, Mitglied Junge DLG/Team Nürtingen