Studieren in Zeiten von Corona 2

Elisabeth Geithel, Junge DLG/Team Halle:

Auch auf dem Campus der Martin-Luther-Universität in Halle sucht man in Zeiten von Corona fast vergeblich nach Studierenden. Der eine oder andere holt sich mal etwas zu Essen, to go natürlich, aus der Mensa oder nimmt in der Bibliothek seine bestellten Bücher in Empfang, aber sonst ist der Campus wie leer gefegt, da derzeit keine Präsenzlehre stattfindet. Wir Studierenden müssen uns aktuell zufriedengeben, was sich unsere Dozenten und Professoren einfallen lassen, um uns den für das Semester vorgesehenen Stoff zu vermitteln.

Manche Professoren geben sich viel Mühe und zeichnen ihre Vorlesungen mit Bild, Ton oder einer PowerPoint-Präsentation auf, andere besprechen die von ihnen erstellten Folien online und laden sie hoch. Einige bieten auch Live-Vorlesungen an, sodass wir zum Zeitpunkt der Vorlesung vor unseren Laptops sitzen und direkt mit dem Lehrenden in Kontakt treten können und die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen. Auch viele unserer Seminare werden in dieser Form abgehalten. Zu einigen Modulen gibt es lediglich PowerPoint-Präsentationen mit Anmerkungen oder nur die Präsentation und eine Literaturempfehlung.

Auch wenn all diese Methoden dazu beitragen, dass wir den Prüfungsstoff bis zu den Klausuren im Sommer verinnerlicht haben, so ist es nicht dasselbe Studium wie vorher. Es fehlt die Fahrt zur Uni, die Vorlesung vor Ort im Hörsaal, der Gang zur Mensa und das Leben auf dem Campus. In diesem Semester fehlt nicht nur der Unibetrieb, sondern auch das Studentenleben. Natürlich ist es entspannter, alles von zu Hause aus machen zu können und nicht einmal für eine Pflichtveranstaltung in die Universität gehen zu müssen – aber es fehlen auch die Kommilitonen, die WG-Partys und für uns Hallenser natürlich auch der Bauernclub.

Nele Wiehoff, Junge DLG/Team Soest:

Aufgrund der aktuellen Situation finden auch an der Fachhochschule in Soest seit dem Beginn des Sommersemesters keine Präsenz-Vorlesungen mehr statt. Das gewohnte Vorlesungsformat wurde durch Online-Vorlesungen ersetzt. Je nach Modul und Professor unterscheidet sich die digitale Lehre zum Teil. Für einige Veranstaltungen wird Zoom genutzt. Diese Plattform ermöglicht über eine Chatfunktion eine direkte Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden. Beide Seiten nutzen diese aktiv, um Fragen und Anregungen auszutauschen.

Andere Veranstaltungen basieren hingegen auf der selbstständigen Erarbeitung von Inhalten. Hierfür werden wie gewohnt die Inhalte der Vorlesungen digital hochgeladen. Selbst aufgezeichnete Videos der Professoren werden in einigen Bereichen als Hilfestellung oder inhaltliche Ergänzung zur Verfügung gestellt.

Zu Beginn des Semesters war es eine große Umstellung, nicht wie gewohnt Vorlesungen in der Fachhochschule zu besuchen. Nach anfänglichen Netzproblemen und einer kurzen Eingewöhnungszeit funktioniert die digitale Lehre mittlerweile jedoch sehr gut. Die Studierenden haben sich größtenteils an die neue Situation gewöhnt. Alle beteiligten Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeiter und Studierenden bemühen sich um einen möglichst reibungslosen Ablauf.

Auch wenn sich die Studierenden grundsätzlich nicht über den Ablauf der digitalen Lehre beschweren können, so bleibt ein fader Beigeschmack. Agrarwirtschaft in Soest zu studieren, bedeutet weitaus mehr als das Lernen an sich. Während des Studiums entstehen bedeutende Freundschaften und entscheidende berufliche Kontakte werden geknüpft. Es werden unvergessliche Erinnerungen gesammelt – innerhalb und außerhalb von Hörsälen. Dinge, die aufgrund von Corona nicht möglich sind und von Studierenden zum Teil schmerzlich vermisst werden.

Simon Vinzl, Junge DLG/Team Weihenstephan:

Studieren ist in der aktuellen Zeit sehr stark von der Uni/Hochschule, dem Studienfach und den Professoren abhängig. Das Studienfach und die damit verbundenen Vorlesungen entscheiden, in welchem Ausmaß eine Online-Vorlesung überhaupt durchführbar ist. In unserem Studiengang Landwirtschaft an der Hochschule Weihenstephan, der, gerade in den höheren Semestern, durch sehr viele Praktika und Vorlesungen am Acker/Grünland und im Stall gekennzeichnet ist, gestaltet sich das aktuell recht schwierig. Außerdem wurden sämtliche Exkursionen, bei uns im 6. Semester also die Abschlussfahrt und die zu dem gewählten Schwerpunkt passende Fachexkursion, abgesagt.

Die Professoren geben sich jedoch alle Mühe, um uns trotzdem ein adäquates Studium anbieten zu können. Im Voraus werden Anleitungs-Videos auf der Fläche aufgenommen, wie vorzugehen ist und wir Studenten können dann einzeln die Fläche besuchen. Hinterher findet eine Auswertung in dem virtuellen Vorlesungssaal „Moodle“ oder in einer Videokonferenz statt.

Fast alle Professoren sind zusätzlich dazu übergegangen, ihre Vorlesungen auf Video aufzunehmen und dann zusammen mit dem üblichen Skript zur Verfügung zu stellen. Hier unterscheidet sich dann lediglich noch der Lernort vom normalen Studieren.

Größte Schwierigkeit ist es jedoch, zuhause bei allen Ablenkungen die Motivation zu behalten, außerdem können Rückfragen nicht einfach dem Professor gestellt werden. Aber auch hier gibt sich unsere Hochschule die größte Mühe, es so angenehm und machbar wie möglich zu gestalten. Es werden campusweite Lizenzen für Videokonferenz-Software gekauft, die Lehrenden werden bei der Aufnahme von Vorlesungen oder bei der Einrichtung von Konferenzen unterstützt, es gibt Sonderseiten auf der Website mit Informationen, und die sonst recht starren Prüfungsrichtlinien wurden hinsichtlich Art und Zeitpunkt der Klausuren deutlich entschärft. Auch werden besondere Seminare angeboten, um dem Wegfall anderer, nicht durchführbarer Wahlmodule Rechnung zu tragen.

Allerdings ist die Studienfinanzierung auch ein weiterer, für einige Studenten sehr großer Punkt. Viele Studenten gehen neben ihrem Studium einem oder mehreren Nebenjobs nach, oft in einem der Gewerbe, die von den Ausgangsbeschränkungen betroffen sind. Hier hilft dann die beste Online-Vorlesung nichts, wenn das Studium aufgrund finanzieller Sorgen in den Hintergrund gerät.