Stallbauperspektiven in Deutschland

Prof. Dr. Oldenburg stellte auf der Veranstaltung der Jungen DLG/Team Kiel zum Stallbau die aktuellen Regelungen des Emissionsrechts vor. Er ging dabei auf einige Knackpunkte ein, welche zu Herausforderungen in der Planung werden können:

  • Ein B-Plan, der benötigt wird, wenn ein Betrieb zu wenig Fläche zur Versorgung der Tiereinheiten hat, kann bis zu zwei Jahre lang dauern.
  • In Schleswig-Holstein und Niedersachsen sind ca. zwei Drittel aller Ortschaften Emissionsüberschreitungsgebiete. Das schränkt die Bebauung erheblich ein.
  • Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein mit über 600 Tierplätzen sind im BImSchG-Verfahren. Damit wechselt die Zuständigkeit vom Landkreis als Genehmigungsbehörde zum LLUR.
  • Die Grenzwerte für FFH-Gebiete werden laufend angepasst und reduziert, womit eine Handelbarkeit für den betroffenen und erweiterungswilligen Landwirt bald nicht mehr möglich sein wird, da die erforderlichen Grenzwerte nicht mehr einzuhalten sind.

Die aktuelle Festlegung der Grenzwerte bei den Novellierungen TA Luft oder Bioaerosole (Keime, Staub, Pilze) sieht er als eine Agrarstrukturpolitik durch Grenzwerte an, mit dem Ziel, eine Reduktion der Tierzahl in Deutschland zu erreichen. Die Umsetzung von Tierwohl wird durch die Regelungsdichte in Deutschland ausgebremst.

Dr. Oldenburgs Meinung nach gibt es derzeit für die Landwirte weder Planungs- noch Rechtssicherheit in Bezug auf den Stallbau und somit auch keine Grundlage für eine Investitionsentscheidung. Zusätzlich fehlt in Deutschland eine zentrale Stelle/Institution, die sich mit der Forschung zu dem Thema Emissionen beschäftigt.

Darüber, wie sich die Umsetzung der rechtlichen Vorgaben konkret auswirkt, hat sich Andreas Matzen, Stallbauexperte, Gedanken gemacht. Durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist die Schweinewelt aus seiner Sicht im Umbruch. Am Weltmarkt fehlen circa 160-200 Mio. Mastschweine. Das bedeutet steigende Schweinepreise bei gleichzeitig sinkenden Futtermittelpreisen.

Allerdings ist er nicht der Meinung, dass diese Entwicklung einen Bauboom in Deutschland auslösen wird. So liegen die Kosten für einen Bewegungsbuchtenstall in der Sauenhaltung um 30 bis 40 Prozent höher als beim Kastenstand. Die Vorteile bei der Bewegungsbucht können eine steigende Futteraufnahme, ein damit einhergehendes steigendes Gewicht der Sau und eine höhere Milchproduktion sowie ein geringerer Prestarterverbrauch bei den Ferkeln sein. Auch werden die zukünftigen Schweineställe mehr planbefestigte Böden haben.

Die Digitalisierung wird auch vor den Schweineställen nicht Halt machen. So können Trackingsysteme über Ohrmarken in Verbindung mit Sortierwaagen einen ökonomischen Vorteil von 5,- bis 6,- Euro je Schwein durch die Ermittlung des optimalen Schlachtgewichts ausmachen. Damit ist der Landwirt in der Lage, die Vorhersagen, wann geliefert werden kann, zu präzisieren.

Die JGS-Vorschriften (für Anlagen zur Lagerung von Jauche, Gülle und Sickersaft) verteuern den Stallbau im Moment massiv. Hier schlagen vor allem die Auflagen zur Leckerkennung bei Kanälen tiefer 80 cm zu Buche. Die Güllerohre/-kanäle müssen verschweißt oder verklebt werden, was die Kosten stark steigen lässt. Es stellt sich die Frage, warum beim Menschen KG-Rohre mit Stecksystem in Ordnung sind, in der Tierhaltung aber ein solcher Aufwand betrieben werden soll.

Zusammenfassend ist in der Schweinehaltung trotz steigender Preise aufgrund der hohen rechtlichen Unsicherheiten und der langwierigen Genehmigungsverfahren nicht mit einer Zunahme der Stallbautätigkeiten und einer signifikanten Erweiterung der Schweinemast zu rechnen.