Hauptsache die Kohle stimmt?! Mitarbeiterfindung und –bindung in modernen Betrieben

Selbst ackern oder ackern lassen? – Warum Fremdarbeitskräfte unabdingbar sind!

Ausgangslage

Der Bedarf an Mitarbeitern erklärt sich wie von selbst: Der Fachkräftemangel, die Überalterung der Gesellschaft sowie der große Wettbewerb um Arbeitnehmer machen auch vor der Landwirtschaft nicht halt. Erschwerend kommt für die Landwirtschaft aber noch hinzu, dass Trends, wie die fortschreitende Urbanisierung, die Landflucht und im Branchenvergleich verhältnismäßig niedrige Löhne nicht begünstigend auf die Rekrutierung wirken.

Effizienzsteigerung als (langfristige) Lösung?

Es wäre zu einfach, wenn eine immer weiter steigende Effizienz in der Landwirtschaft die Lösung aller Probleme darstellen würde. Sicherlich wird durch eine weitere Technisierung eine Optimierung der Arbeitsprozesse erzielt. Darüber hinaus wird auch geschickte Arbeitsorganisation weitere Synergien schaffen und freisetzen. Nach Felix Hollmann, Berater bei der LBB GmbH könne u. a. die „Red-Dot-Strategy“ einen Ansatz zur Verbesserung von Arbeitsabläufen liefern. Nach eingehender Analyse der Arbeitsorganisation im Betrieb, können Potentiale erkannt und durch eine Neuausrichtung sinnvoller genutzt werden.

Langfristig aber werden Lohnsteigerungen und flexible Arbeitsmodelle auch an der Agrarwirtschaft nicht vorübergehen.

Lernen vom Handwerk: 
Was nicht passt, wird passend gemacht?!

Sinkende Arbeitslosenraten – hohe Erwerbstätigkeistraten 
– viele freie Stellen

Die Ausgangslage am Arbeitsmarkt ist eindeutig: Aktuell sind rund 790.000 Stellen unbesetzt (Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, 2017). Diese Sachlage stelle Jan Dannenbring vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (Berlin) in seinen Ausführungen u. a. als Grund für den derzeit stark umkämpften Arbeitsmarkt heraus.

Rekrutierung der Bewerber

Da heute auf viele Stellen nur wenige Bewerber kommen, werde bei Neueinstellungen häufig die erstmögliche Person ausgewählt. Dieser Trend zeichnet sich vor allem im Primärsektor (Land- & Forstwirtschaft, Fischerei) und teilweise dem Sekundärsektor (industrieller Sektor) ab. Genau andersherum sei die Situation allerdings im Dienstleistungssektor (Quelle: IAB-Stellenerhebung, 2015).

Die Gründe dafür seien aber nicht zwingend mit dem Mangel an Bewerbern zu begründen: Die Rekrutierungskanäle sind vielseitig. Vor allem in kleineren Unternehmen werden Arbeitskräfte über Kontakte von Mitarbeitern bzw. über persönliche Kontakte geworben und eingestellt.

„Ran an die Jugend!“

Getreu dem Motto „zeigt, was ihr könnt“ hat das Handwerk vor einigen Jahren eine branchenübergreifende Imagekampagne gestartet. Mit gezielter Werbung werden Jugendliche von Unternehmen bzw. von der Branche auf mögliche Ausbildungsberufe aufmerksam gemacht. Wichtig dabei: Praktika anbieten, Schulkontakte intensivieren und Investitionen in die betriebliche Ausbildung treffen.

Jan Dannenbring,
Zentralverband des Deutschen Handwerks, Berlin

Zähes Ringen um jede Hand – Wie bin ich attraktiv für Arbeitnehmer?

Die wichtigsten Mitarbeiter sind die, die man hat!

Mitarbeiter an den Betrieb binden ist ein elementarer Faktor für Erfolg. Ein Patentrezept gibt es nicht – der Chef kann aber viel dazu beitragen.

Joachim Walther, Betriebsleiter auf Gut Hohen Luckow (Mecklenburg-Vorpommern) beschreibt es wie folgt:

  • verbreiten Sie gute Stimmung und Motivation – Jeden Tag auf’s Neue
  • es braucht authentische und verlässliche Führungskräfte
  • technischer Fortschritt in den Arbeitsprozessen fordert und fördert die Mitarbeiter
  • informieren Sie Ihre Mitarbeiter regelmäßig über das allgemeine Betriebsgeschehen und binden Sie diese in Entscheidungen mit ein
  • auch Überstunden und Wochenendarbeit müssen entlohnt werden!
  • Und nicht zuletzt: Gemeinsame Erlebnisse wie Messebesuche, Hoffeste, etc. stärken den Zusammenhalt und das Team

Joachim Walther, Betriebsleiter
Gut Hohen Luckow Milch GmbH & Co. KG
(Mecklenburg-Vorpommern)

Eine WinWin-Situation: Fachfremde Arbeitnehmer und Flüchtlinge in der Landwirtschaft!

Unterschiedlich starker Wettbewerb um Arbeitnehmer in den Regionen

Fachfremde Arbeitnehmer können zur Entzerrung der Arbeitssituation beitragen. Allerdings sind Anwerbungsprozesse aufgrund des derzeitigen Lohnniveaus im Primärsektor langwierig und teilweise nur bedingt erfolgreich. Dies betrifft vor allem Regionen in welchen Unternehmen anderer Wirtschaftsbereiche starke Anziehungskraft ausüben.

Was machen Landwirte in strukturschwachen Regionen?

Für Thomas Döbelt, Betriebsleiter der APROHA Milch GmbH & Co. KG liegt ein Lösungsansatz in der gezielten Anwerbung und Ausbildung von Flüchtlingen bzw. Asylbewerbern. Lassen sich - nach seiner Einschätzung - die sprachlichen Barrieren und fachlichen Defizite überwinden, so können gezielte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen neue motivierte Arbeitnehmer hervorbringen. 

Als finanziell unterstützend zu betrachten sei in den ersten Monaten eines neu geschlossenen Arbeitsverhältnisses auch der Eingliederungszuschuss, welchen die Agentur für Arbeit beisteuert.

Fazit

Eine Pauschallösung gibt es nicht. Lösungsmöglichkeiten können nur einzelbetrieblich analysiert, abgewägt und umgesetzt werden.

Festzustellen gilt es aber, dass Themen wie z. B. neue Arbeitszeitmodelle, die Mindestlohndebatte und die langfristige Sicherung von heimischen Arbeitsplätzen zukünftig auch eine Diskussion über das Lohnniveau in der Landwirtschaft entfachen werden.

Thomas Döbelt, Betriebsleiter der
APROHA Milch GmbH & Co. KG (Sachsen);
Mitglied im Arbeitskreis der Jungen DLG