Ein kleiner Knigge für Feld und Flur Junge DLG Impulse 1/2018

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Montage aus ©CanStockPhoto / Mechanik und ©Macrovector / shutterstock.com

Grafikmontage aus: ©CanStockPhoto / Mechanik und ©Macrovector / shutterstock.com

Es ist Sommerzeit. Und  es ist warm. Sie fahren mit dem Schlepper und Anhänger auf einer Landstraße – vor Ihnen befinden sich zwei Rennradfahrer. Beide fahren schnell und beide fahren nebeneinander. Typisch! Überholen ist leider kaum möglich – schließlich dauert das Manöver auf der unübersichtlichen Straße einfach viel zu lange. Sie ärgern sich.

Diese und andere Situationen gibt es zur Genüge. Sie stören und sie reizen in diesen Momenten. Aber sind Sie einmal ehrlich – gibt es nicht auch Situationen, in welchen Sie mit Ihrem Gespann das Verkehrshindernis darstellen? Wie verhalten Sie sich dann? Was wir brauchen ist mehr Rücksichtnahme – beidseitig.

Die sich diesbezüglich auftuenden Fragen sind für die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit der Jungen DLG Grund genug, über allgemeine Verhaltensformen in Feld und Flur nachzudenken und sozusagen einen kleinen „Knigge“ mit Denkanstößen zusammenzustellen. Gute Beispiele und Anregungen gibt es dafür jede Menge.

Im Straßenverkehr

Es ist Erntezeit. Sie arbeiten auf den letzten Schlägen. Das Wetter ist gut, der Mähdrescher bzw. der Häcksler läuft und Sie als Abfahrer geben Ihr Bestes, die Erntekette nicht zum Stehen zu bringen. Am Ende des Tages verlassen Sie das Feld mit der letzten vollen Mulde und der Kollege mit der Erntemaschine lässt sein Gefährt zum Abschied mit allem strahlen, was die LEDs hergeben? Sie überkommt das zufriedene Gefühl des Feierabends. Auf folgende Punkte sollten Sie achten, um auch auf die Rücksicht Ihrer Mitmenschen während dieser so wichtigen Zeit hoffen zu dürfen.

Geschwindigkeiten reduzieren

Spätestens das gelbe Ortsschild sollte zum Anlass genommen werden, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Auch wenn in der Ortschaft 50 km/h im rechtlichen Rahmen liegen, wirken landwirtschaftliche Fahrzeuge aufgrund ihrer Größe und Masse ungleich schneller. Fahren Sie innerorts möglichst 30 km/h. Dies wird sich auch sehr positiv auf die Lärmemission Ihres Gefährtes auswirken und Ihre Mitmenschen sehen kein technisches Ungetüm durch den Ort rasen. Des Weiteren wird Ihr Gespann im Ernstfall eher zum Stehen kommen, wenn plötzlich ein Ball die Hauseinfahrt hinunter rollt und der kleine Junge ihn unbedingt noch einholen will.

Aktive Routenplanung

Planen Sie für sich und Ihre Mitarbeiter die Fahrstrecken im Vorfeld. Prüfen Sie kritisch, ob Wege durch Ortschaften wirklich die besten sind, nur weil sie der Ideallinie am nächsten kommen? Wartezeiten an Ampeln, Kreuzungen und Zebrastreifen können diesen Vorteil schnell wettmachen.

Straßen, die an Altenheimen, Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten vorbeiführen sollten Sie – aus Rücksichtnahme – nur in Ausnahmefällen benutzen. Versuchen Sie, die Bedürfnisse der anderen Menschen zu verstehen und schärfen Sie Ihr Bewusstsein, wie schnell Sie oder einer Ihrer Verwandten betroffen sein könnte.

Meiden Sie wenn möglich generell Wohngebiete bei Ortsdurchfahrten. Spätestens ab 22:00 Uhr sollten Sie diese umfahren, um den Berufstätigen und Kindern einen erholsamen Schlaf vor einem weiteren Arbeitstag oder Schultag zu ermöglichen.

Vergewissern Sie sich außerdem, dass ihr Gefährt bei höheren Geschwindigkeiten nicht zur Nebelmaschine wird. Die Ihnen folgenden Fahrzeuge werden über eine Wolke von Strohhäcksel, Spreu oder Maissilage nicht erfreut sein. Im Optimalfall haben Sie eine Abdeckvorrichtung für Ihre Anhänger und benutzen diese auch.

Vermeidung von Stress durch Rücksichtnahme

Sie kennen sicher das kurze Aufblitzen unterschiedlicher Fahrzeughälften im linken Seitenspiegel, die beim späten Sichtkontakt mit dem Gegenverkehr wieder hinter Ihrem Anhänger in Lauerstellung gehen. Beugen Sie waghalsigen Überholvorgängen vor, indem Sie große Fahrzeugkolonnen passieren lassen. Sobald Sie das fünfte Fahrzeug hinter sich sehen, ist es an der Zeit die nächste Haltebucht aufzusuchen und alle sichtbaren Fahrzeuge überholen zu lassen.

Verkehrssicherung

Seien Sie sich außerdem bewusst, welche Botschaft ein 25-km/h-Aufkleber an Ihrem Gespann hervorrufen kann. Viele landwirtschaftliche Anhänger werden von einem solchen Schild geziert. Wenn diese aber mit 50 km/h unterwegs sind, wurden schon so manche Auto- und Motorradfahrer negativ überrascht. Vor allem in Ortschaften führen diese Schilder oftmals zu vorschnellen Überholvorgängen.

Zur letzten Fuhre ist es wieder einmal spät geworden. Dank Arbeitsscheinwerfern konnten Sie aber alles gut überblicken, außerdem sehen die großen Maschinen dann noch imposanter aus. Möglicherweise stören die hellen Strahler aber bereits zur Ruhe gekommene Anwohner in deren Freizeit nach der täglichen Arbeit. Schalten Sie diese Beleuchtung also spätestens beim Verlassen der Fläche ab und beschränken Sie diese auf das zur Sicherung des Transportes notwendige Maß.

Landwirtschaft ist Teil der Gesellschaft.

Klare Spielregeln und Angebote zum Dialog helfen beim täglichen Miteinander.

Auf dem Feld ...

... passiert ein Großteil Ihrer eigentlichen Arbeit. Vielleicht sind es auch gerade die Arbeiten, die Sie richtig glücklich machen und bei welchen Sie in Ihrem Beruf als Landwirt voll aufgehen. Dort riecht es nach Erde, dort hört man außer dem Summen der Bienen nur die Vögel und den Wind und dort reibt man zufrieden die Körner aus der Ähre und testet ihre Härte zwischen den Zähnen. Auch hierbei kann man im Vorfeld oder während dessen bewusst Dinge berücksichtigen, um die Nachbarschaft an den Freuden der Jahreszeiten teilhaben zu lassen, anstatt sie zu verärgern.

Foto: Landpixel

Situationen aus dem täglichen Leben – Anregungen

  • Ebenso wie Sie die rücksichtsvolle Route zum Feld prüfen können, können Sie auch die Bearbeitungsreihenfolge Ihrer Schläge unter Gesichtspunkten der Beeinträchtigung von Anliegern optimieren. Muss die Bodenbearbeitung/ Gülleausbringung/das Kalkstreuen bei sonnigen und damit staubigen Bedingungen genau Freitagnachmittags zur besten Terrassenzeit an der Neubausiedlung stattfinden, oder wäre es auf der Fläche am Wald auch möglich gewesen?
  • Gegebenenfalls ist es auch möglich die Feldbearbeitung bei anstehenden Nachtschichten tagsüber an der Bebauung zu beginnen und von dieser wegwärts zu arbeiten. Bei größeren Schlägen ist dies auch eine sehr gute Lösung für das ans Wohngebiet angrenzende Vorgewende.

Wer hält eigentlich die Feldwege sauber?

Vor einem Tag hat es geregnet – genau 5 Liter. Das ist der ideale Zeitpunkt zum Grubbern. Der Boden klebt kaum – es ist alles wunderbar. Sie bearbeiten das Vorgewende. Beim  Herausfahren auf den geteerten Feldweg passiert es – die Erde aus den Reifen IhresTreckers fällt auf den Weg. Im Idealfall haben Sie eine Schaufel auf Ihrem Gespann und räumen die Erde zurück auf das Feld. Um sich diesen Aufwand zu ersparen, nehmen Sie sich beim nächsten Mal lieber vor, die Erde bereits auf dem Feld so gut wie möglich von Trecker und Anbaugerät zu entfernen oder die Ausfahrt über den an der entgegengesetzten Seite anliegenden Grasweg zu wählen um dort die Erde abzufahren, ohne dass sie andere stört.

Imagegewinn für Sie und die gesamte Branche durch mehr Rücksichtnahme

Auf der Rückfahrt zum Hof kommt Ihnen auf dem Wirtschaftsweg eine Gruppe Radfahrer entgegen.  Bitte  reduzieren Sie Ihre Geschwindigkeit, auch wenn der Weg primär der landwirtschaftlichen Nutzung unterliegt. Grüßen Sie die Radfahrer freundlich, sicher würdigen sie diese rücksichtsvolle Begegnung.

Vielleicht grüßt Sie der Passant auch ganz von selbst. Unterbrechen Sie Ihre Arbeit gerne einmal und halten Sie wenn möglich an, denn dies ist der beste Zeitpunkt für einen Dialog. Schalten Sie den Motor aus und steigen vom Trecker ab – auf Augenhöhe unterhält es sich besser! Probieren Sie es einmal aus, häufig können Sie sogar noch erklären, warum Sie gerade heute die jeweilige Arbeit durchgeführt haben.

Kommunikation mit der Nachbarschaft

Als Landwirt hat man selten direkte Nachbarn, mit welchen man Haustür an Haustür wohnt. Trotzdem wohnen viele Menschen mit ihrer Haustür an Ihrem Betriebsgelände oder Ihren Nutzflächen. Daher ist es auch wichtig, dass Sie versuchen sich in die Situation Ihrer Nachbarn zu versetzen. Wer tagsüber bei der Arbeit in einem stressigen, lauten Büro arbeitet möchte am Abend, an Wochenenden und in den Ferien die Ruhe der eigenen vier Wände oder Gartenzäune genießen. Wir als Autoren kennen natürlich das Dilemma: Als Landwirt sind Sie mehr als jeder andere von der Witterung abhängig und haben damit Ihre zeitlichen Schwerpunkte nicht in der Hand. Versuchen Sie dennoch so gut wie möglich an die Bedürfnisse Ihrer Mitmenschen zu denken. Anhand der folgenden Punkte finden Sie Anregungen und Ideen für ein unkompliziertes Miteinander.

  • Versuchen Sie alle möglichen Arbeitsgänge auf Feld und Straße auf Tageszeiten zwischen 07:00 Uhr und 18:00 Uhr zu legen.
  • Sollten Sie dann aber vor der nächsten Regenfront doch noch bis nachts um 03:00 Uhr dreschen, lassen Sie es nicht einfach dabei bewenden. Es gibt viele Möglichkeiten sich bei Ihren Mitmenschen für das Verständnis an solchen Tagen zu bedanken. Spenden Sie auf dem nächsten Dorffest ein wertiges Geschenk für die Tombola. Laden Sie den Kindergarten zum Grillfest ein. Stellen Sie für das Schützenfest ein Fass Freibier zur Verfügung. Oder schalten sie eine kurze Anzeige in der lokalen Zeitung.
  • Im Optimalfall kündigen Sie Ihren Nachbarn solche Nachtund Sonntagseinsätze auch im Vorfeld an. Drucken Sie kleine Postkarten mit den betreffenden Tagen und Uhrzeiten aus und weisen Sie Ihre Mitmenschen darauf hin, dass während der Gülleausbringung keine Wäsche draußen getrocknet werden sollte. Sie können auf diesem Hinweis sogar eine kurze Erklärung unterbringen, warum Sie den genannten Arbeitsvorgang durchführen werden. Sollten Sie eher zu modernen Kommunikationswegen tendieren, können Sie auch eine Whatsapp-Gruppe mit allen betroffenen Anwohnern einrichten. So sparen Sie sich die vielen Wege zu den einzelnen Briefkästen und können auch kurzfristig auf wichtige Vorkommnisse hinweisen. Die „GülleWhatsapp“-Gruppe ist hierfür ein bekanntes Beispiel.

Auf einen Blick

  • Achten Sie innerorts für mehr Sicherheit im Straßenverkehr auf Ihre Fahrgeschwindigkeit.
  • Informieren Sie Ihre Nachbarschaft rechtzeitig über anstehende Erntemaßnahmen oder Feldarbeiten.
  • Vermeiden Sie – wenn möglich – Nachtarbeit und Verschmutzung der Feldwege.

Dies ist ein Beitrag der AG Öffentlichkeitsarbeit