Der Wolf in Baden- Württemberg

Mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund 30 Prozent in Deutschland, ist der Wolf seit dem Jahre 2000 auf dem Vormarsch. Dass das Thema nicht nur für Landwirte, Jäger und Weidetierhalter von Bedeutung ist, hat die Anwesenheit von rund 70 Studierenden aus unterschiedlichen Studiengängen, Professoren, sowie Interessenten außerhalb der Hochschule kürzlich beim Kamingespräch der Jungen DLG/Team Nürtingen gezeigt.

Da einer der beiden Referenten leider wegen Krankheit ausgefallen ist, aber uns freundlicherweise seine Präsentation weitergeleitet hat, konnte unser Referent Frank Lamprecht zunächst über Biologie, allgemeines Wolfsmanagement und Monitoring berichten, um dann auf sein Spezialgebiet „Herdenschutz in der Praxis“ zu kommen.

Zurzeit existieren in Deutschland 74 Wolfsrudel (Elterntiere + Nachwuchs), 30 Paare und drei Einzeltiere, die alle schwerpunktmäßig in Sachsen, Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ansässig sind. Damit wir ein Gefühl für die Größe eines Territoriums von 150 bis 250 Quadratkilometern bekommen, setzte Lamprecht ein Wolfsrudel mit ein paar Ameisen auf einem Fußballfeld gleich.

Wölfe legen weite Strecken innerhalb, aber auch außerhalb ihres Territoriums zurück, sodass es zum Beispiel auch schon in Baden- Württemberg zu Übergriffen gekommen ist. Sie wollen stets die leichteste Beute und reißen in einer Herde nicht nur Einzeltiere, sondern mehrere Tiere auf einmal. Unter den Nutztieren zählen vor allem Schafe und Ziegen zu potenziellen Opfern, aber auch Fohlen und Kälber wurden schon angegriffen. Für Lamprecht ist klar: Hier muss viel im Bereich des Herdenschutzes getan werden, denn rund 80 bis 90 Prozent der Weidezäune seien fehlerhaft aufgestellt. So musste man bisher darauf achten, dass der Zaun die Tiere innerhalb hält, nun aber schwerpunktmäßig, dass keine tierischen Jäger eindringen können.

Als praktizierender Schaf- und Ziegenhalter weiß Lamprecht von der Problematik des Einzäunens Bescheid und veranschaulichte in seinen Bildern wechselnde Gegebenheiten: Von Steilhängen, über Hügel, Wald oder sehr steinigem Untergrund war alles dabei.

Wichtig bei den Zäunen ist, dass sie mindestens 90 cm hoch sind und dass der Strom stark genug und ohne Unterbrechungen fließt. Der Wolf kann nämlich lernen, dass er einen Schlag bei Berührung bekommt und wird diesen Fehler höchstwahrscheinlich kein zweites Mal machen.

Hüte- oder Schutzhunde können sehr hilfreiche Beschützer sein, jedoch ist die richtige Auswahl der Rasse als auch gutes und konstantes Training Voraussetzung.

In der abschließenden Diskussion und Fragerunde kamen einige Bedenken und auch emotionale Anmerkungen auf. Fakt ist, dass man vorbereitet sein muss und jegliche Schutzmaßnahmen, auch innerhalb des Hofes treffen sollte.

Die meisten Teilnehmer waren sich einig, dass es bei großen Problemen und bewiesenen Übergriffen zu einer gezielten Entnahme von Einzeltieren kommen sollte. Es muss ein realistischer Zwischenweg zwischen Wolfsgegnern und Wolfsschützern gefunden werden, der sowohl den strengen Schutzstatus des Wolfes respektiert, aber auch zu große Gefahren für Weidetiere, Menschen und Hunden ausschließt.

Lamprecht macht abschließend auf die Probleme in den sozialen Medien aufmerksam, in denen die kuriosesten Wolfsgeschichten umhergehen und somit viel Trubel um das Thema gemacht wird. Er appelliert dafür, dass wir alle die Plausibilität und Quellen von Berichten oder Bildern prüfen und nicht alles aus dem Netz glauben sollten.

Autorin: Henrike Betz, Junge DLG/Team Nürtingen