Auch Pflege ist ein Thema

Dass Pflege einen interessanten Betriebszweig darstellen kann, zeigte Dietmar Hocke auf. Der Landwirt aus Mecklenburg-Vorpommern bewirtschaftet seit 1994 als Wiedereinrichter einen Betrieb in Benz. Neben 280 ha Land, verschiedenen Energieprojekten und Ferienwohnungen gehört seit einem Jahr auch ein Seniorenwohnheim zu seinen Betriebszweigen.

Pflege? – Das Thema ist doch weit weg und hoffentlich betrifft mich das nie. Das sei die Einstellung vieler junger Menschen – auch seine eigene. So eröffnete Friedrich Stute, Mitglied des Arbeitskreises Junge DLG, die Veranstaltung anlässlich der Unternehmertage in Regensburg.

Doch bei näherem Hinsehen im Bekanntenkreis würde auch klar, dass es doch jeden und manchmal sogar sehr schnell und unerwartet treffen kann. Rund 100 Teilnehmer fanden schon für die Vormittagsveranstaltung den Weg nach Regensburg und die Referenten machten schnell klar, warum es auch für jüngere Menschen und vor allem für Hofübernehmer wichtig ist, sich mit dem Thema Pflege auseinanderzusetzen.

Den Auftakt der Vorträge machte Paul Leidner, Leiter des Geschäftsbereiches Altenpflege und -hilfe des Caritasverbandes für das Bistum Osnabrück. Er stellte vor, wie die Pflegeversicherung funktioniert. „Normalerweise halte ich Vorträge in Sälen mit einem Altersdurchschnitt von 65+. Und das ist Teil des Problems: In der jüngeren Generation wird das Thema oft verdrängt“, bestätigte Leidner. Die vier Stufen der Pflegeversicherung, verschiedene Arten der Pflege – Kurzzeitpflege, stationäre Pflege oder Tagespflege, Wohngruppenzuschlag – Leidner erklärte die gesetzlichen Regelungen, mit denen sich wohl kaum einer der Zuhörer bisher näher befasst hatte.

„In Deutschland haben wir eine Art Teilkasko-Pflege“, kritisierte er. Ziel sei es, möglichst viel der Pflege in der Hand der Angehörigen zu lassen und sie dabei finanziell zu unterstützen. Von den rund 2,3 Mio. Pflegebedürftigen würden derzeit auch rund zwei Drittel zu Hause versorgt, knapp die Hälfte davon durch Angehörige. Da dies in der Regel die Frauen seien, die auch immer stärker vom Arbeitsmarkt nachgefragt würden und auch vielfach arbeiten wollten, stellte Leidner die Frage, inwieweit dieses System demographiefest sei. Auch die Finanzierung der Pflegeversicherung hält er nicht für demographiefest.

Als zweiter Redner trat Ingo Glas aufs Podium, Fachanwalt für Steuer- und Agrarrecht aus Rostock. Er lenkte den Blick auf die Fallstricke, die bei der Hofübergabe im Hinblick auf die Regelungen zur Pflege lauern können. Zu beachten seien dabei die familiäre Situation – kann und will die Schwiegertochter (typischerweise) die Pflege übernehmen – die betriebliche Situation – wie kann Pflege geregelt werden, ohne den Betrieb an die finanzielle Leistungsgrenze zu bringen – sowie die rechtliche Situation.

Auch, dass man als Hofübernehmer die weichenden Erben nicht komplett aus ihren Pflichten entlassen sollte, betonte Glas immer wieder. Außerdem wies er auf die Gefahr hin, dass beispielsweise bei einem nicht vollständigen Übergang des Hofes auf den Nachfolger der Hof als Vermögen der Pflegenden in Anspruch genommen werden könne, um die Pflegekosten abzudecken. Auch bei der Festlegung der Versorgungsleistung im Übernahmevertrag müsse man darauf achten, dass diese zwar über die gesetzlichen Regelungen hinausgehen können, den Betrieb aber nicht existenziell belasten dürfen.

„Aber auch für die Abgeber ist die Frage, inwieweit eine Inanspruchnahme der vereinbarten Leistungen durchsetzbar ist“, sagte Glas. Sein Rat: Den Leistungsumfang genau beschreiben, eventuell auch auf die Pflegestufen angepasst und eine Begrenzung der Pflegeverpflichtung für den Übernehmer auf das Zumutbare.

Einen persönlichen Erfahrungsbericht gab Dr. Simon Walther. Walther stammt von einem Betrieb in Fladengreuth, bei Nürnberg, den er neben seiner Tätigkeit im strategischen Management bei John Deere künftig übernehmen will. Für seine Familie habe sich das Thema, wie man Pflege gestaltet, ergeben, als seine Oma immer mehr auf Hilfe angewiesen war. „Für meine Mutter war die Pflege alleine nicht zu schaffen“, sagte er. Andererseits sei sowohl für seine Mutter als auch seine Oma immer klar gewesen, dass zu Hause gepflegt werden soll.

Aus dem Bekanntenkreis kam schließlich eine polnische Pflegerin in die Familie Walther. Über die kulturellen Fallstricke und das Aufeinandertreffen zweier starker Persönlichkeiten, aber auch über die positiven Erfahrungen mit der Pflegerin, berichtete Walther sehr offen und anschaulich. „Wir würden es jederzeit wieder so machen“, so sein abschließendes Fazit.